Ausstellung: Schumann-Ansichten

Prof. Dr. Sabine Giesbrecht

Bildpostkarten sind als moderne Nachrichtenträger im Deutschen Kaiserreich immer auf der Suche nach spannenden Ereignissen und Neuigkeiten aus dem gesellschaftlichen Leben. Sie berichten über prominente Personen und kulturelle Ereignisse, von denen man anderweitig kaum etwas erfahren hätte. Robert und Clara Schumann gehören zu den arrivierten Künstlern, deren Leben auch für Postkartenverlage von Interesse ist. Sie war eine bekannte Pianistin, die man bis in die 1890er Jahre noch persönlich im Konzertsaal hören konnte, und zugleich Ehefrau des berühmten, früh verstorbenen Komponisten Robert Schumann. Auf ihn machen besonders die Schumann-Städte Zwickau und Bonn mit diversen Erinnerungskarten aufmerksam, die den lokalen Tourismus und das soziale Ansehen der Städte fördern.

Mehr Aufmerksamkeit als Porträtkarten erhalten Bildpostkarten mit Angaben zu den Liedern Schumanns, die sich auf diese Weise ein zweites Dasein erobern. Sie werden „sichtbar“ und formieren sich zu einem neuen Genre, das nicht unwesentlich zur Popularisierung von Schumanns Vokalwerk beigetragen hat. Seine Instrumentalmusik erweist sich dagegen als resistent gegenüber der Visualisierung. Allein die „Träumerei“ aus dem Klavierzyklus „Kinderszenen“ schafft den Sprung in das neue Massenmedium, meistens jedoch nur als Titel einer Karte. Favoriten bei den Liedern sind die Zyklen „Myrten“, „Dichterliebe“ sowie „Frauenliebe- und -leben“, die mit etwa 60 Beispielen im Osnabrücker Archiv vertreten sind. Mehrfachillustrationen, unter anderem „Du bist wie eine Blume“ aus den „Myrten“, dem Hochzeitsgeschenk Roberts an Clara, sowie „Im wunderschönen Monat Mai“ aus der „Dichterliebe“, zeugen von der Beliebtheit einzelner Lieder.

Grundsätzlich lassen sich bei den Liedkarten zwei miteinander konkurrierende Formate feststellen. Es sind die auf der Basis fotografischer Arbeiten beruhenden Lieddrucke, die beginnen, gemalte Vorlagen zu verdrängen. Beide entwickeln ihre eigene Ästhetik, ermöglichen jeweils verschiedenartige Sichtweisen auf das Lied und tragen zur Popularisierung der Kunst Schumanns bei. Das geschieht fast unbemerkt, etwa wenn ein bekannter Postkartenmaler wie Paul Hey „Im wunderschönen Monat Mai“, das Eröffnungsstück der „Dichterliebe“, ungerührt der Kategorie „Volkslied“ zuordnet. Diese setzt auf sangbare Melodien, nicht aber auf eigenständige Instrumentalbegleitungen, die Schumanns Kunst auszeichnen. Auf dem Wege zur Popularität müssen die Lieder zudem Einbußen hinsichtlich ihres künstlerischen und gesellschaftlichen Ranges hinnehmen. Sie verlassen den exklusiven Raum der Konzertsäle zugunsten eines bescheidenen Plätzchens auf einer Postkarte, wo sie als preiswerte Gegenstände des täglichen Gebrauchs von jedermann geordert und in Besitz genommen werden können. Ist das nun ein Akt der Befreiung von ästhetischen und sozialen Hierarchien oder eher eine Respektlosigkeit gegenüber der Kunst? Wahr ist, dass es nicht mehr die gleichen Lieder sind, wohl aber Dokumente der Moderne, die Auskunft geben, wie stark und frisch die Luft unter dem Einfluss des neuen Massenmediums geworden ist.
Aus heutiger Sicht sind die Bilder immer noch informativ, einprägsam und ästhetisch keinesfalls ohne Bedeutung. Eine Entdeckung ist vor allem der Wiener Maler Erich Schütz. Seine Lied-Illustrationen sind – ebenso übrigens wie die zu Hugo Wolf oder Franz Schubert – höchst originelle Gegenstücke zur Musik Schumanns.
Seit 1914 sind andere Fragen, aber auch andere Lieder aktuell. Im Ersten Weltkrieg wird auch Schumann in die allgegenwärtige nationale Propaganda involviert. Auf Feldpostkarten mit Nikolaus BeckersSie sollen ihn nicht haben, den freien deutschen Rhein“ und mit Heines Ballade „Die beiden Grenadiere“ ist er namentlich zwar nicht als Komponist erwähnt, unterschwellig aber einbezogen und tendenziell der Phalanx der Franzosenhasser á la Ernst Moritz Arndt zugeordnet.

Insgesamt 40 Bildpostkarten dokumentieren das Erscheinungsbild Schumanns in der Zeit des Deutschen Kaiserreiches. Sie sind in folgenden Rubriken angeordnet:

1. Zur Person 2. Robert und Clara 3. Liedillustrationen zu „Du bist wie eine Blume“  4. Bilder zur „Dichterliebe“ 5. Schumann-Bilder 6. Von der Rheinkrise 1840 bis zum Ersten Weltkrieg – Robert Schumann im politischen Diskurs


Hinweise zur Navigation in der Ausstellung

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